Berichte aus meiner Praxis


Wenn Kinder und Jugendliche über etwas sprechen wollen, müssen wir Ihnen zuhören, sie aber nicht mit unseren Ratschlägen erschlagen.
Wenn Kinder fragen haben, sprechen Sie über Ihre Gefühle, die Sie bei der Frage haben, geben Sie keine voreilige Antwort, Kinder können warten, wenn Sie sagen, dass Sie über die Frage nachdenken müssen!
Sagen Sie nie, du bist zu Jung, das geht dich nichts an, Kinder stellen Fragen, wenn Sie etwas nicht verstehen eine Erklärung brauchen und Antworten suchen.

Kinder stellen Fragen wenn Sie nach einer Antwort suchen, lassen sie Ihre Kinder nicht zu lange suchen.


Roberts Freitod, Heute hab ich mir mein Leben genommen!

  

Robert hat sich in seinem Zimmer erhängt.

Robert war 11 Jahre alt und so einsam das Er keinen Ausweg mehr gesehen hat.

Robert war verliebt, er liebte einen Jungen, der eine Klassenstufe höher ging wie er.

Doch wie sollte Robert es sagen, zu oft hörte er an seiner Schule »ich hasse schwule« er sah wie schwule gehänselt wurden und er sah auch körperliche übergriffe, zu oft wurden Jungs voreilig, wenn sie nicht mit Mädchen rumhingen, als Homos bezeichnet.

Robert traute sich nicht, den Jungen anzusprechen, obwohl sie öfter blicke tauschten und Robert der Meinung war, etwas in den Augen des Jungen gesehen zu haben.

Robert träumte von Zärtlichkeiten von Küssen und vom Sex, den er mit diesem Jungen haben möchte, in seinen Träumen war alles so einfach, so schön.

Er träumte davon, wie sie sich gegenseitig ausziehen, streicheln und liebkosen.

Robert versuchte mit einem Schulfreund darüber zu sprechen, dieser zeigte sich wenig bereit, über so Sachen wie Knutschen und streicheln zu sprechen.

Er fragte seine Mutter, wie das ist, wenn man verliebt ist.

Roberts Mutter sagte etwas von „man möchte ständig mit dem anderen zusammen sein, seine Gedanken und Gefühle mit ihm teilen, man hat das Gefühl es geht gar nichts mehr ohne den anderen“ Sie sprach auch von diesem kribbeln im Bauch.

Robert fragte was mit Küssen, Streicheln und Sex ist, gehört das auch dazu?

Seine Mutter sah in an und sagte, das besprechen wir, wenn du 15 bist.

Robert nahm allen Mut zusammen und fragte einen Lehrer, einen ganz lieben Lehrer.

Aber auch der Lehrer fand Robert zu Jung für diese Fragen und sagte das in dem Schuljahr noch Sexualkunde auf dem Plan steht, da könne man über so etwas sprechen.

Immer, wenn Robert sich ein Herz Genomen hatte, um mit diesem einen Jungen zu sprechen, kamen die Gedanken und Bilder an das, was seine Mitschüler sagten und taten in ihm hoch.

Robert war enttäuscht von sich, fand er doch nicht den Mut zu sprechen, von seinen Eltern, von den Lehrern, keiner half ihm, alle sagten "du bist zu jung".

Robert hatte aber dieses Gefühl, Robert hatte diesen Wunsch die Liebe seines Lebens in Händen zu halten und zu liebkosen.

Täglich sah er was er begehrte und ....

So verging ein halbes Jahr, Robert weinte viel in sein Kopfkissen, wenn ihn keiner sah, unbemerkt und allein gelassen.

Er zog sich immer mehr zurück von seinen Eltern, den freunden und der Schule.

Ohne diesen Jungen, ohne diese Liebe, die er so inständig fühlt, will Robert nicht mehr leben.

 

Robert ging auf sein Zimmer und schrieb diesen letzten Brief

 

Heute beende ich mein Leben, ich möchte so nicht mehr leben.

 

Ich liebe Christopher, den Jungen aus der 6 c.

 

Immer wenn ich Fragen an euch hatte, habt ihr mich weggeschickt, ich sei zu Jung.

 

Da wo ich euch brauchte, hab Ihr mich allein gelassen, ihr habt euch hinter der Mauer, die Ihr »Kinderschutz« nanntet versteckt.

 

Bitte entschuldigt, dass ich diesen Weg gehe, aber ich sehe Christopher jeden Tag in der Schule und ich halte das nicht mehr aus.

 

Seid nicht böse und traurig, ich will diesen Weg gehen den er beendet meine Einsamkeit und meine Traurigkeit.

 

Da Robert nicht zum Abendessen kam, ging seine Mutter nach ihm schauen und fand ihn leblos in seinem Zimmer.


2009 schrieb ich das letzte Mal in der Rubrik »Berichte aus meiner Praxis«.
Jetzt möchte ich diese Rubrik wieder zu Leben erwecken und aus meiner Praxis berichten.
Die Berichte sind anonymisiert und literarisch aufgearbeitet.


Die Jugend

Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist Böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie unsere Jugend und es wird Ihr niemals gelingen, unsere Werte zu erhalten!

Das kennen wir, lesen wir es doch Tag für Tag in Zeitungen und Zeitschriften, sehen Berichte im Fernsehen und die Erziehungsratgeber sind voll davon.

Doch, diese Aussage stammt von einer babylonischen Tontafel, die mehr als 3000 Jahre alt ist.