Humanistische Psychologie

"Das humanistische Menschenbild umfasst folgende Annahmen: Der Mensch ist im
Grunde gut. Er ist fähig und bestrebt, sein Leben selbst zu bestimmen ( Autonomie), ihm
Sinn und Ziel zu geben. Der Mensch ist eine ganzheitliche Einheit (Körper-Seele-Geist)."

Bei einer Erkrankung muss ich mir immer erst einmal drei Fragen stellen

 

warum ich

warum jetzt

was will mir die Krankheit sagen


 Daran glaube ich

 

Ich liebe das Leben, weil mich die Menschen und ihr Werden unentlich interessieren. Durch mein Interesse wächst mein Wissen um sie beständig. Und dieses wiederum lässt mich glauben, das das gewöhnliche menschliche Herz von Natur aus gut ist.

 

Das heißt, es ist von Natur aus empfindsam und zart, es möchte sich bestätigt sehen und bestätigen, es sehnt sich nach Glück und nach dem Leben. Es will weder getötet werden, noch will es töten. Wenn besondere Umstände dazu führen, das es dem Bösen anheimfällt, wird es doch nie ganz böse.

 

Ein guter Kern bleibt erhalten – und mag es noch so sehr im verborgenen sein -, aus ihm kann das gute sich immer wieder nähren.

 

Ich glaube an die Menschheit, aber mein Glaube ist ohne Sentimentalität. Ich weiss, das der Mensch in einer Atmosphäre von Unsicherheit, Angst und Hunger verkrüppelt, dass er geformt wird, ohne das er es merkt.

 

Es ist mit Ihm wie mit einer Pflanze, die sich unter einem Stein hervordrängt und ihre eigenen Lebensbedingungen nicht kennt. Nur wenn der Stein weggerollt wird, kann sie frei dem Licht entgegen wachsen.

 

Aber die Kraft dazu ist angeboren, und nur der Tod setzt dem ein Ende.

 

Ich brauche keinen anderen Glauben, als den an die Menschheit. Wie einst Konfuzius nimmt mich das Wunder dieser Welt und das Leben darauf so gefangen, das ich für Himmel und Engel keine Gedanken mehr habe.

 

Dieses Leben bietet mir genug. Gäbe es kein anderes – es hat sich gelohnt, geboren zu werden, ein Mensch zu sein.

 

Ich glaube fest an das menschliche Herz und seine Kraft, dem Licht zuzustreben. Und dieser Glaube lässt mich auf die Zukunft der Menschheit hoffen und vertrauen.

 

Der Gesunde Menschenverstand wird der Welt eines Tages sicherlich beweisen, dass gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit für die Sicherheit und das Glück aller nur vernünftig sind.

 

Dieser Glaube gibt mir immer wieder die Kraft, alles zu tun, was ein Mensch nur tun kann, um die Lebensverhältnisse so zu formen, das man sich in Freiheit entwickeln kann.

 

Diese Lebensverhältnisse, glaube ich, müssen unbedingt auf Sicherheit und Freundschaft aufgebaut sein.

 

Die Hoffnungsvolle Tatsache, das die Welt genug Nahrungsmittel für alle Menschen hat, gibt mir Mut. Unser medizinisches Wissen, ist schon so weit vorgeschritten, um die Gesundheit der ganzen menschlichen Rasse zu heben. Die Mittel, die uns für die Erziehung zur Verfügung stehen, können - in weltweitem Rahmen angewandt – die Intelligenz aller steigern.

 

Nur dies eine bleibt uns noch zu tun:

 

Wir müssen herausfinden, wie wir die Vorteile, die einige von uns geniessen, aller Welt zugänglich machen.

 

Mit anderen Worten, um auf mein Gleichnis zurück zukommen, wir müssen den Stein wegrollen.

 

Auch das können wir schaffen, den genügend Menschen werden den Glauben an sich und die anderen finden. Zwar nicht zur gleichen Zeit. Aber die Zahl derer, die den Glauben haben,  wächst. Vor einem halben Jahrhundert noch dachte niemand an Welternährung, Weltgesundheit, Welterziehung.

 

Viele denken heute daran. Vor der Möglichkeit eines Weltkrieges, einer Massenvernichtung, ist dies meine einzige Frage:

 Gibt es genug Leute, die den Glauben haben?

 

Bleibt uns Vernüftigen noch genug Zeit zum Handeln?

 

Es ist ein Kampf zwischen Leben und Tod, ein Kampf zwischen Wissen und Unwissen.

 

Mein Glaube an die Menschheit ist unerschütterlich.

 

Aus dem Buch "Und Fänden die Liebe nicht"   1955 von Pearl S. Buck